Kurzgefasste Geschichte der Liebenburg in Namborn

 

Die Erbauungszeit der ersten, wahrscheinlich noch sehr beschei-denen Burganlage auf dem höchsten Punkt des Bergsporns legen Fachleute in das letzte Viertel des 12. Jahrhunderts. Damals ließ das Bistum Verdun (ca. 180 Km entfernt) seine Besitzungen in ihrem nordöstlichen Machtbereich durch stärkere Wehranlagen sichern. Den Auftrag zur Errichtung einer Burg erhielten die Grafen v. Castel, die im heutigen Blieskastel ansässig waren.
 

Die erste urkundliche Erwähnung der Burg Lievemberch im Jahre 1220 resultiert aus einem Streit um die Lehensherrschaft auf der Burg. Das Bistum Verdun stellte sein Vorrecht in der Lehensvergabe vehement gegen die Grafen von Zweibrücken und jene von Blieskastel heraus, die je zur Hälfte das Verduner Burglehen innehatten. In diesem Zusammenhang wird ein Boemund von Lievenberc als Burgmann auf der Burg erwähnt, wohl ein Ver-wandter des Erzbischofs Theoderich von Wied.

 

 

1237  sterben die Grafen von Castel (Blieskastel) mit Graf
     ​     Heinrich   im Mannesstamme aus. In der Folge erhebt sich
          ein jahrelanger Erbstreit. Über die Grafen von Bitsch
          und Castel gelangt der Blieskasteler Anteil an der Liebenburg
          an den Grafen von Salm.

1269  kommt der Zweibrücker Anteil an der Burg an das Haus
          Lothringen, denn die beiden Burgmänner Johann 
          von Lievenberg und sein Schwager Lambert von
          Castel (Blieskastel), huldigen dem Herzog von Lothringen
          für die Hälfte des „Schlosses Lievenberg“.

1281  ist letztmalig von einem Geschlecht der „Ritter von
          Lievenberc“ zu lesen.

 

1284  erscheint der ehemalige hälftige Anteil der Blieskasteler
          Grafen an der Liebenburg als Besitz des Bischofs Burkard
          von Metz.

 

1321  Graf Walram II. von Zweibrücken vergibt das Burglehen an 
          der Liebenburg an Ritter Anselm von Densberg.

 

1326  gelangt der Metzer Anteil durch Verpfändung an die
          Herren von Finstingen. In der Folgezeit verdichten
          sich die 
urkundlichen Nennungen durch die geschickte
          Machtausweitung des Trierer Erzstifts unter Erzbischof
          Balduin von Trier.

 

 1333  tritt Ritter Heinrich von der Leyen seinen Anteil an der Burg
           an den Erzbischof ab 
und erhält diesen Teil wieder als Lehen
           zurück. Balduin hat somit schon einen Fuß in der Tür zur
           Burg.
 

1336  schließt Erzbischof Balduin einen Burgfrieden mit den
          anderen Eignern: Johann, dem Herrn zu Kirkel - dem
          genannten Ritter Heinrich von der Leyen und Ritter Balde-
          mar von Odenbach. Graf Walram II von Zweibrücken
          gibt dazu sein Einverständnis.

 

1363  stirbt Baldemar von Odenbach kinderlos und sein Anteil fällt
          an Kurtrier.

 

Schritt für Schritt „erwirbt“ nun Kurtrier die anderen Anteile der Burg

 

1414  bestätigt Kaiser Sigismund dem Erzstift den vollständigen
          Besitz der Liebenburg.

 

Trierische Amt- und Burgmänner im 14. Und 15. Jh. waren Clas
von Hunolstein, Jäckel Bornbach von Lichtenberg, Hesso von Esch, Heinrich von Cröv, Johann Studigel von Bitsch, Johann von Hunde-lingen und Heinrich von Sötern, der Alte.

Kurtrier war durch die Manderscheidsche Fehde (1430 -1435), bei der es um die Nachfolge im Amt des Erzbischofs ging, finanziell sehr geschwächt. Unter anderem war die Liebenburg in Flammen aufge-gangen. Deshalb besetzte Kurtrier die Burg mit finanzkräftigen Adelsgeschlechtern, welche die Anlage auf eigene Kosten wieder instand setzen mussten, pfandweise durch das Erzstift zu Trier -
der Erzbischof ließ "anschreiben". Zuerst waren es Johann und Heinrich Studigel von Bitsch, welche die ausgebrannte Burg wehrtechnisch ausbauten. Ihnen folgte Johann von Hundelingen und danach ab 1483 Heinrich der Alte von Sötern.

 

Adam von Sötern nahm als erster mit der gesamten Familie seinen Wohnsitz auf der Veste Lemberg – so der jetzt in den Urkunden geläufige Name. In der Familie von Sötern, die mit der Wolfsangel im Schild, blieb dann Schloss Liebenberg ab 1483 als kurtrierisches Pfand und Lehen bis zur völligen Zerstörung 1677 und darüber hinaus bis 1696.
Nach den Zerstörungen im Dreißigjährigen Krieg und dem völligen Niedergang 1677 blieb nur ein relativ wertvoller Trümmerhaufen übrig.

 

1696 starb Franz Philipp von Sötern als der letzter männliche
         Spross des Hauses. Durch seine Tochter Sidonie, die den
         Grafen von Öttingen heiratete, kam das Erbe an dieses
         Grafenhaus.

 

1722 kassierte das Haus Öttingen die Rückzahlung der im Laufe
         der Zeit aufgelaufenen Pfandsumme und eine Ablösung der
         Renten.

 

Die Burg selbst wurde zum Steinbruch und diente als billige Baumaterialbeschaffung für die umliegenden Orte.

 

In der Franzosenzeit nach der Französischen Revolution ersteigerte der St. Wendeler Bürgermeister Carl Cetto die letzten Mauerreste aus französischem Staatsbesitz und ließ damit die St. Wendeler Brücken und eine Mühle bauen. Danach verliert sich die Spur der Burg bei den Menschen selbst in unmittelbarer Umgebung. Nur Sagen berichten noch von einem Schlossberg.
 

Anfang des 20. Jahrhunderts wurden erste zaghafte Ausgrabungsversuche begonnen, bald aber wieder eingestellt.

In den 1970er Jahren begannen systematische Ausgrabungen und eine Aufmauerung der vermuteten Grundmauern mit Bewilligung des Landeskonservators. Dies geschah mit viel Fleiß, aber recht laienhaft, da eine konstante Überwachung und wissenschaftliche Dokumentation seitens des Konservatoramtes fehlten.
1976 war der jetzige Aussichtsturm auf den Grundmauern der ehemaligen Zisterne fertiggestellt.

 

Seit 2008 sichern und restaurieren nun echte Fachleute unter Dr. Zeune die alten Mauern der Burg, seien es die originalen Mauerzüge oder die Aufmauerungen der 70er Jahre. Dabei kommt immer wieder Erstaunliches aus mittelalterarchäologischer Sicht zu Tage.

Seit 2006 sind Trauungen in romantischer Atmosphäre im Burgturm möglich.

In den letzten Jahren wurde der Innenraum des Turms durch den Heimat- und Verkehrsverein Namborn touristisch aufgewertet. Unter anderem wurde der Liebenburger Wappenstein, ein Allianz- und Ahnenzeugnis des Adam von Sötern, als Wappentafel übertragen. Anhand der auf vier Bannern präsentierten Wappen der zeitlich jeweiligen Burgherren seit der Erbauung der Burg kann nun die hoch interessante und komplexe Geschichte der Burg auch optisch überschaubar dargestellt werden.

 

Erarbeitet von Rüdiger Andres

 

Hierbei wurde auf Quellenangaben verzichtet